Die Madrigale Claudio Monteverdis
An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, von der Renaissance- zur Barockzeit, nimmt das Madrigalschaffen Claudio Monteverdis (1567-1643) einen ganz besonderen Rang ein. Von seinen Anfängen in Cremona an bis hin zu seinem Tod in Venedig beschäftigt sich Monteverdi sein ganzes Leben hindurch mit dem Madrigal. Zumal nicht so strengen Regeln unterworfen wie etwa Messe oder Motette, erweist sich das Madrigal als ideale Form für seine Experimentierfreude. Monteverdi veröffentlicht zu Lebzeiten acht Madrigalbücher (das IX. Buch erscheint posthum), in welchen er das klassische fünfstimmige a-cappella-Madrigal der Renaissancezeit zu einer vom Generalbass und zusätzlichen Instrumenten begleiteten Form des Barock entwickelt. Die vorliegende CD stellt die Zusammenfassung eines dreiteiligen Konzertzyklus dar, welcher auf den drei großen Lebensstationen Monteverdis Cremona, Mantua und Venedig, aufgebaut ist. Umrankt von Vorläufern, Vorbildern und Zeitgenossen lässt sich dabei die Entwicklung seiner kompositorischen und stilistischen Ausdrucksmittel mitverfolgen.

Cremona: Der junge Monteverdi
Monteverdi wird 1567 in Cremona geboren, wo er auch seine ersten beiden Madrigalbücher komponiert. Gleich im Titel dieser Bände (publiz. 1587 und 1590) bezeichnet sich Monteverdi als "discepolo del Sig. Marc'Antonio Ingegneri". Vor allem in den frühen Meisterwerken dieser ersten Schaffensperiode ist die Reverenz an seinen Lehrer Ingegneri (1535/36-1592) nachvollziehbar.

Mantua: Monteverdi im Streit
Nach seiner Lehrzeit in Cremona kommt Monteverdi 1590 nach Mantua. Die Anstellung am Fürstenhof der Gonzaga bedeutete für den jungen Monteverdi Kontakt zu Musikern, Komponisten und Dichtern allerersten Ranges, der Monteverdis Experimentierfreude sicherlich noch beflügelte. Bereits im III° Libro (1592) lassen sich die Neuerungen des IV° und V° Libro (1603 u. 1605) ahnen, die um 1600 - also noch bevor sie in Druckausgaben vorlagen - den mehrere Jahre andauernden Streit mit Giov. M. Artusi um die sogenannte "Seconda Prattica" des Komponierens entfachen sollten.

Venedig: Monteverdi der Visionär
Schon die letzten 6 Madrigale des V° Libro (1605) kündigen die einschneidendste Wende in der Madrigalkomposition an, die Monteverdi ab 1613 in Venedig endgültig vollzieht: Weg von reiner a-cappella-Musik, hin zu den vielfältigen Formen des eher solistisch orientierten Madrigals mit Basso continuo bzw. Instrumentalbegleitung. Eine Auswahl aus den letzten Madrigalbüchern Monteverdis (Bücher VI-VIII publiz. 1614-1638) zeigt, wie sich die italienische Madrigalkomposition im 17. Jahrhundert in ganz neue Formen gleichsam "aufgelöst" hat.